Mein neuer Mitbewohner … der Drobo [Review]

Nachdem meine interne 3TB Platte inzwischen zu klein geworden ist (und mich die Festplattenhersteller mit dem erscheinen von größeren Einzeldatenträgern hängen gelassen haben), musste ich mich zwangsläufig um eine alternative Speicherlösung umsehen. Nach langem überlegen hab ich mich für den Drobo entschieden. Zum einen hab ich im Bekanntenkreis viel positives über den kleinen Speicherroboter gehört, zum anderen hatte ich im Schrank noch einige TB an externen und internen Festplatten rumliegen (2TB+2×1,5TB+2x1TB, unterschiedliche Geschwindigkeiten und Marken) sodass ich – ohne zusätzlich Speicher zu kaufen – mit dem Drobo auf 3,6TB nutzbaren (und sicheren) Speicherplatz gekommen bin….

Dazu kam noch der Zufall, dass der Händler meines Vertrauens, einen gebrauchten Drobo vorrätig hatte, den ich günstig kaufen konnte…

 

Auf dem Papier…

Glaub man dem Drobo-Werbeversprechen bekommt man einen schnellen, unauffälligen und unkomplizierten Speicherzwerg, der problemlos aufgerüstet werden kann und zu jeder Zeit die Daten sicher aufbewahrt. Drobo Inc. nutz dafür das proprietäre „BeyondRAID“-System, das unterschiedliche Festplattengrößen, -geschwindigkeiten und -marken verträgt. Zudem lässt sich die Kapazität des Drobos im Nachhinein verändern, ohne dass das RAID neu aufgebaut werden muss (und die Daten daher ausgelagert werden müssen). Das klingt doch schon mal ganz gut, auch wenn Drobo für den kleinsten Freund mit 4 Einschüben und USB/FW800-Schnittstelle ganze 400,- EUR (Listenpreis) fordert…

 

… und in Wirklichkeit?

Vielleicht ist es verfrüht, nach knapp zwei Wochen im Einsatz bereits ein Fazit zu ziehen. Da ich allerdings innerhalb dieser 10 Tage bereits einen Festplattendefekt und eine Kapazitätserhöhung hinter mir habe, kann ich zumindest über diese Punkte bereits etwas berichten…

Auspacken, Anschließen…

Doch von Anfang an. Der Drobo kommt in einer schicken, hochwertigen Verpackung. Das Auspacken fühlt sich ziemlich Apple-mäßig an. Keine billigen Plastikteile, alles hat seinen Platz. In der Packung selbst ist der Drobo (ohne Laufwerke), das Netzteil, ein USB- und ein Firewirekabel und die Anleitung nebst CD. Grundsätzlich empfiehlt es sich aber, die Software (Drobo Dashboard) direkt von drobo.com herunterzuladen, in meinem Fall war eine knapp 9 Monate alte Version auf der CD, obwohl der Drobo selbst (zumindest laut Datum auf der Verpackung) im März 2011 hergestellt wurde…

Die Festplatten werden ohne Halter direkt in den Drobo gesteckt. Dabei ist es egal, in welcher Reihenfolge oder Größenzusammenstellung die Platten verwendet werden, der Drobo ermittelt automatisch die maximale Größe des „sicheren“ Festplattenspeichers, bei dem noch ausreichend Sicherungsplatz zur Verfügung steht. In meinem Fall bleiben von den 6TB „Bruttokapazität“ der Platten (2+1,5+1,5+1TB) 3,6TB übrig. (Das ganze kann man im Vorfeld mit dem „Capacity Calculator“ ermitteln).

Drobo Dashboard und Partitionsgrößen

Sind die Festplatten drin, steckt man den Drobo am Strom und am Computer an und startet das Drobo Dashboard. Dieses erkennt den neuen Drobo und führt mühelos durch die Installation… Mit einer Ausnahme: Man muss manuell die Größe der virtuellen Partition angeben. Der Drobo gaukelt dem Betriebssystem nach der Installation nämlich eine bestimmte Größe vor. Das ist notwendig, da die meisten Betriebssysteme keine Anpassung der Partition im laufenden Betrieb erlauben und somit die schöne „Erweiterbarkeit“ dahin wäre.

Man muss also bei der Installation eine Größe bestimmen, die der Drobo dem Betriebssystem meldet. Das Dashboard erlaubt hier Größen zwischen 2 und 16TB. Ich habe mich hier für den Mittelweg mit 8TB entschieden, da diese Größe vermutlich auch mittelfristig das Größte ist, was ich mit dem Drobo erreichen werde (und aktuell die Nettogröße bei 4x3TB Platten wäre). Das bedeutet aber auch, dass das Betriebssystem ab diesem Zeitpunkt keine genaue Angabe über die Auslastung des Speicherplatzes mehr machen kann. Das Betriebssystem sieht zwar die Belegung des Drobos, geht aber davon aus, dass tatsächlich z.B. 8TB vorhanden sind, auch wenn physikalisch nur 3,5TB installiert sind.

Diese Einschränkung muss man leider bauartbedingt in Kauf nehmen… Um den Nutzer nicht völlig im Dunkeln tappen zu lassen, zeigt der Drobo allerdings zum einen im Dashboard die genau verfügbare Größe an, zum anderen signalisieren 10 LEDs an der Front des Drobo den aktuellen, realen Füllstand (1 LED=10%). Sollte es dann tatsächlich mal knapp werden, macht er zudem durch eine blinkende Lampe auf sich aufmerksam und das Dashboard meldet sich auffällig…

Alles überwacht, alles leuchtet…

Die Lämpchen am Drobo sind gleichzeitig die wichtigsten Indikatoren über den Systemzustand. Ist alles gut (und eine Festplatte eingesetzt) leuchtet die Lampe am Laufwerksschacht grün. Geht dem Drobo der Speicherplatz aus, leuchtet entweder die Lampe an einem unbenutzten Laufwerksschacht rot (gibt mir ne Festplatte), oder die Lampe an der kleinsten Festplatte leuchtet orange (gib mir ne größere Festplatte). Wenn man Festplatten eingesetzt oder ersetzt hat, blinken alle Lampen gelb-grün. In diesem Zustand ist der Drobo am verwundbarsten. In diesem Zustand darf keine Festplatte herausgenommen werden… Wenn dann eine Festplatte den Weg alles irdischen eingegangen ist, blinkt die Lampe dann rot (Ich bin kaputt!).

… alles automatisch…

Und genau das ist mir bereits einen Tag nach dem Aufsetzen des Drobos passiert. Während ich ihn noch mit Daten bestückt hab, ist die Lampe der 1TB Platte spontan auf „rot blinkend“ gesprungen. Zunächst hab ich dem Drobo nicht vertraut und versucht die Platte auszuwerfen und wieder einzuhängen. Doch der Status hat sich nicht verändert. Also raus mit der Platte und direkt ran an den Rechner. Doch auch das Festplattendienstprogramm konnte die Festplatte nicht mehr partitionieren/formatieren. Die war tatsächlich hinüber: 1:0 für den Drobo.

Während ich auf dem Weg zum Computerhändler war um mir eine Ersatzplatte zu besorgen, hat der Drobo weiterhin brav Daten angenommen und gespeichert… Als ich wieder zurück war (mit einer weiteren 2TB Samsung EcoGreen F4), rein mit der Platte in den Drobo. Kurz gewartet und der Drobo hat die neue Platte problemlos akzeptiert und angefangen die Platte ins RAID einzubinden und mit Daten zu füllen. Alle Lampen waren also auf grün-gelb blinkend und das Dashboard hat korrekt auf 4,5TB Nettokapazität…

… aber langsam.

Jetzt kam der nervenaufreibende Teil. Der Drobo hat jetzt tatsächlich 2,5 Tage gebraucht, um das RAID neu zu bauen. Sicherlich hat der stete Datenstrom von der internen Festplatte zum Drobo in den ersten 28h (so lange hat das Kopieren gedauert), zur Verlangsamung beigetragen, dennoch hat die lange Dauer an meinen Nerven gezerrt… Um so erleichterter war ich, als der Drobo dann ganz unvermittelt nach exakt 60 Stunden auf grün gesprungen ist, und alle Daten sicher und wohlbehalten abrufbar waren…

Zusammengefasst:

Ich mag den kleinen Schwarzen. Der Drobo hat bereits bei der Einrichtung gezeigt, dass er mit Daten umgehen kann, defekte Festplatten erkennt und sich problemlos erweitern lässt. Die BeyondRAID Technologie ist eine feine Sache mit einem Nachteil: Die Geschwindigkeit.

Der Drobo liefert (laut AJA-Systemtest an meinem iMac (Anfang 2009) an Firewire ca. 30-35MByte/s schreibend und 35-40MByte/s lesend. Dieser Wert reduziert sich, wenn der Drobo das Raid wieder aufbaut auf ca. 15MByte/s schreibend und lesend… Das Wiederherstellen des RAID dauerte bei mir über 2 Tage beim Wechsel einer 1TB Platte. Offensichtlich ist hier also der Controller, der so sorgsam für die Sicherheit sorgt, der Flaschenhals. Fast könnte man meinen, als ob der Controller bei 40MByte/s seinen maximalen Durchsatz hat, und diesen zwischen externem und internem Datenverkehr aufteilen muß.

Für meine Anwendung als Medienspeicher überwiegen die Vorteile. Die automatische Verwaltung, die problemlose Erweiterbarkeit und die Datensicherheit überwiegen bei mir den Nachteil der Geschwindigkeit. Außerdem musste ich mich noch an die Lautstärke gewöhnen. Bisher hatte ich ja nur eine interne Platte. Die jetzt installierten 4 Platten und besonders der Lüfter sind schon recht deutlich zu hören. (Dem Lüfter werde ich mich demnächst noch widmen…)

Der Stromverbrauch (gemessen mit einem einfachen Verbrauchsmeßgerät von TCM) liegt zwischen 5Watt im StandBy mit heruntergefahrenen Platten und 36W bei Betrieb mit vier Platten (1xWD Caviar Green 2TB, 1x Samsung EcoGreen F4 2TB, 1x Seagate 1,5TB 7.200U/Min, 1xWD 1,5TB 7.200U/Min).

Sicherlich mag es günstigere und schnellere RAID Gehäuse geben. Diese sind aber nur schwer erweiterbar. Außerdem hätte ich für ein anderes RAID vermutlich mindestens 3 neue Festplatten zu einer meiner vorhandenen kaufen müssen. Beim Drobo konnte ich die eine nehmen, die mein Händler vorrätig hatte…

Insgesamt bin ich sehr glücklich mit meinem Drobo..

 

Nachtrag vom 6.8.2011: Ich hab den Drobo inzwischen etwas leiser gemacht