[Kamerawechsel] The queen is dead, long live the queen!

Wie hier kurz angedeutet, habe ich vor ein paar Wochen den Wechsel von derD700 auf dieD800 durchgeführt. Nach jetzt doch einiger Nutzung, darunter auch ein Urlaub, ist es Zeit, ein kurzes Fazit zu ziehen…Zunächst mal die Frage, warum man sich den Wechsel von der D700 auf die D800 antut. Vor allem auch, da die Steigerung von moderaten 12 Megapixel auf monströse 36 Megapixel erwartete und auch oft vergessene Investitionen nach sich zieht.

Meine Entscheidung, den Wechsel durchzuziehen ist schon einige Zeit gereift. Ich war letztes Jahr in Südafrika. Da dort auch eine Safari auf dem Plan stand, musste natürlich mehr Brennweite her. Mein längstes Objektiv war (und ist) das 28-300/3.5-5.6. Da ein längeres Objektiv aus Gewicht- und Kostengründen nicht in Frage kam, entschied ich mich, durch ein DX-Gehäuse das 300er quasi zum 450mm Objektiv zu machen…

Zudem hatte ich bei einer Hochzeit das Vergnügen, mit einer D7000 filmen zu können und wollte mich mit diesem Thema näher beschäftigen.

Dann kam also die D800 und bot für beide Probleme Lösungen. Zum einen ist sie absolut Film-tauglich, zum anderen bieten die 36MP noch genügend Information für Ausschnittsvergrößerungen. Die D800 war also quasi die D700 und die D7000 in einer Kamera vereint… Als die D800 dann auch noch hervorragend beim dxomark.com Test abschnitt und ihr (damals) der beste Sensor aller getesteten Kameras bescheinigt wurde, fiel mein Entschluss mir das Gehäuse genauer anzusehen – Nicht von der Hand zuweisen ist natürlich auch die Tatsache, dass ich die D700 immerhin knapp 3,5 Jahre hatte und es vielleicht auch mal Zeit für was neues wurde 😉

Hier also jetzt die Eindrücke nach gut zwei Monaten D800 – auch im Vergleich zur D700:

Haptik/Bedienung

Den neuen AF-Modus-Schalter sehe ich neutral. Zum einen war es früher tatsächlich schneller möglich, zwischen AF-S und AF-C umzuschalten, zum anderen mag ich die Möglichkeit, jetzt über die beiden Einstellräder gleich noch die Messfeldgröße usw. einzustellen.

Das Gehäuse liegt weniger gut in meiner Hand. Hauptgrund ist wohl das fehlen der „Daumenablage“ hinten. Die D700 hatte hier noch eine großzügige Erhöhung, die D800 ist an dieser Stelle fast glatt. Das hat Canon mit der 5D Mark III eindeutig besser gelöst!

Die Verteilung des Moduswählers (P,A,S,M) und des Auslösers ist in Verbindung mit dem Video-Aufnahmeknopf absolut ungünstig gewählt. WTF, Nikon! Bisher konnte ich bequem mit dem Zeigefinger den Modusknopf drücken und den Modus verstellen, bei der D800 ist hierfür (trotz recht großer Hände) eine ordentliche Verrenkung notwendig. Unverständlich, was hier den Ausschlag gegeben hat. Ergonomie geht auf jeden Fall anders…

Die Möglichkeit, die Auto-ISO über die ISO-Taste und dem Einstellrad einzustellen finde ich sehr hilfreich.

Ebenso begeistert mich der 100% Sucher, auch wenn ich mir wieder angewöhnen muss, beim Bildausschnitt mehr „Sicherheitsabstand“ zu lassen, was die D700 durch den 95% Sucher ja quasi automatisch erledigte…

Das neue zweite Speicherkartenfach ist hilfreich, mir wäre aber eine Lösung mit einem Kartensystem lieber gewesen. Außerdem lässt die Geschwindigkeit bei der „Sicherheitslösung“, also dem gleichzeitigen Beschreiben der zweiten Karte als Backup, zu wünschen übrig.

Bildqualität

Die Bildqualität ist überragend. Sowohl beim Dynamikumfang, als auch bei der Farbwiedergabe ist ein Unterschied zur D700 spürbar. Nicht dramatisch, aber spürbar.

Die Auflösung von 36MP ist verständlicherweise – auch von mir – am Anfang belächelt und verteufelt worden. Allerdings bringt die Auflösung natürlich auch unglaubliche Reserven bei Ausschnitten. Der DX-Ausschnitt hat immer noch knapp 16MP und der FourThirds-Ausschnitt auch noch knapp 10MP… Das bietet eine unglaubliche Freiheit und macht in meinem Fall auch die Anschaffung von Brennweiten > 300mm unnötig.

Das Rauschen ist definitiv stärker als bei der D700. Allerdings nur, wenn man wirklich auf Pixelebene schaut. Durch die hohe Auflösung ist das Rauschen bei z.B. bildschirmfüllender Darstellung oder Ausdrucken wesentlich feiner wodurch ich bei geeigneten Motiven bis ISO5000 oder gar ISO6400 gehen würde. Ebenfalls eine Bereicherung ist aus meiner Sicht der neue Auto-ISO Modus, der die aktuelle Brennweite zur Gewichtung der Belichtungszeit heranzieht und versucht, immer 1/Brennweite (bzw. änderbar auf 1/2xBrennweite oder 2/Brennweite) als längste Belichtungszeit zu erreichen.

Der Autofokus arbeitet für mich tadellos, das tat der AF der D700 aber auch schon. Insofern sehe ich hier wenig Änderung…

Workflow

Auf der anderen Seite führt die hohe Auflösung natürlich zu ungekannten Dateigrößen. Ein RAW-File hat zwischen 40 und 70MB (je nach Einstellung). Diese Größe belastet natürlich den kompletten  Weiterbearbeitungsworkflow (Zeit für die Datenübertragung zum Computer, Verarbeiten/Entwickeln mit dem RAW-Converter) und braucht schlicht mehr Speicherplatz… Zudem waren bei mir ein neuer Satz Speicherkarten nötig. Die bisherigen 8GB Sandisk Ultra II fassten gerade mal 100 Bilder (laut Anzeige) und benötigten zum Speichern eines Bildes (nachdem der Puffer voll ist) sagenhafte 2sek… Eine – für mich unerwartete – Investition in Speicherkarten war die Folge…

Auch ist mein iMac inzwischen knapp an der Grenze zur nervigen Langsamkeit. Besonders, da auch Lightroom 4 subjektiv langsamer geworden ist als Lightroom 3. Daher werde ich wohl dieses Jahr noch meinen Rechner upgraden müssen, um wieder einen flüssigen Workflow herzustellen. Überraschend gut schlägt sich dagegen mein MacBook Air, dass ich im Urlaub zur Vorsortierung dabei hatte…

Fazit

Die D800 ist eine hervorragende Kamera, die mir bei Ausschnittvergrößerungen und durch den Videomodus neue Möglichkeiten bei der Bildgestaltung bietet. Obwohl ich anfangs von den 36MP abgeschreckt war, bringen sie mir hier fast nur Vorteile. Die Änderungen an der Position des PASM-Knopfs und der Ausprägung der Daumenablage ist ärgerlich und unverständlich. Hier empfand ich die D7000 eigentlich als Maß der Dinge.

Was ich mir noch wünschen würde wäre eine Möglichkeit, bereits in der Kamera durch zusammenschalten von Sensorpunkten die Auflösung zu reduzieren, dafür die Dynamik oder das Rauschen zu verbessern. Canon hat hier mit ihrem sRAW einen (rudimentären) Ansatz. Nikon könnte hier einen Schritt weitergehen und neben der Speicherersparnis sogar noch einen funktionalen Vorteil ziehen.

Ansonsten bereue ich den Schritt von der D700 auf die D800 nicht. Sie bietet mir genau die Kombination aus Bildqualität, Bildanmutung und Universalität, die ich mir erwartet habe…