[Blick über den Tellerrand] Die Fuji X-T1 aus der Sicht eines D800 Nutzers

Fujifilm X-T1Das ein oder andere Mal wird mal als Nutzer einer „Semi-professionellen“ Spiegelreflex-Kamera schon auf die Probe gestellt. Wenn man z.B. mit rund 5kg Ausrüstung bei 30° durch die Innenstadt von Rom pilgert oder ein Wochenende auf einer Berghütte angesagt ist.

In diesen Momenten schielt man dann auf die Freunde mit den kleinen Kompakten oder spiegellosen Systemkameras und fragt sich, ob das nicht auch reichen würde.

Ich hatte jetzt vor Kurzem die Gelegenheit, den aktuell wohl interessantesten Vertreter der Spiegellosen zu testen. Die FujiFilm X-T1 mit dem 18-55/2.8-4.0 Objektiv.

Was bekommt man?

Die X-T1 ist eine spiegellose Systemkamera mit einem APS-C Sensor („Halbformat“). Sie hat 16 Megapixel, schießt bis zu 8 Bilder pro Sekunde und schreibt diese auf eine SD-Karte. Als erste Kamera unterstützt Sie dabei den neuen UHS-II Standard der bis zu 312MB/s wegschieben soll (was ich mangels UHS-II Karte leider nicht testen konnte).

Das Gehäuse ist aus Metall und wirkt extrem solide und gut verarbeitet. Durch die Leder-Optik und die vielen manuellen Einstellmöglichkeiten erinnert es stark an die alten Kameras der 70er und 80er. Das Gehäuse ist in etwa so gross wie die Nikon FE meines Vaters.

Im Gehäuse selbst steckt dagegen modernste Technik. Fuji stattet die X-T1 mit dem X-Trans CMOS II Sensor, einem digitalen OLED Sucher mit 2.3 Millionen „dots“ und einem kombinierten Phasen- und Kontrast-Autofokusmodul aus.

Eindrücke eines D800 Nutzers

Ein detaillierteres Review möchte und kann ich an dieser Stelle nicht abgeben, das haben die Freunde von dpreview.com schon ausführlich getan. Ich will aber einige Punkte aufführen, die mir als D800 Nutzer gefallen oder weniger gefallen bzw. aufgefallen oder gewöhnungsbedürftig sind.

1. Sucher
Der elektronische Sucher ist gut, erstaunlich gut. Ich kenne digitale Sucher bisher nur von Kompaktkameras. Was Fuji da anbietet lässt meine Vorurteile gegen die elektronischen Sucher verschwinden. Klar ist ein optischer Sucher noch weit näher dran und wirkt „direkter“, Fuji wertet aber die elektronische Variante mit vielen kleinen Helferlein auf, die ein optischer einfach nicht bieten kann. Schnittbildindikatoren, Live-Histogramm und natürlich ganz banal eine „Fokuspunkt-Lupe“ seien hier mal genannt.

Gewöhnungsbedürftig fand ich dennoch die Tatsache, dass der Sucher natürlich – wie bei der Bildbelichtung – die Parameter (Blende/Belichtungszeit/Empfindlichkeit) direkt ins Bild umrechnet/umrechnen kann. Das Sucherbild eines dunklen Raumes wird also nicht 1:1 „optisch“ dargestellt, sondern aufgehellt und mit Rauschen wie später auf dem Bild. Das hilft zwar beim komponieren, ist aber dennoch ungewohnt. Gestört hat mich auch die kleine Umschaltzeit zwischen Display und Sucher, wenn man die Kamera ans Auge setzt. Man kann zwar den Sucher permanent aktivieren, dann wird allerdings das Display hinten komplett deaktiviert und z.B. Menü oder Bildkontrolle finden dann auch im Sucher statt. Eine „logische“ Trennung zwischen z.B: Sucher bleibt immer an und Bildkontrolle/Menü wandert auf’s Display finden (derzeit) noch nicht statt

2. Gehäuse/Haptik/Bedienung

Das Gehäuse fühlt sich einfach klasse an. Entgegen meiner Befürchtung liegt das weniger als halb so schwere Gehäuse trotzdem satt in der Hand und fühlt sich nicht wie ein Spielzeug an. Auch die Balance mit dem 18-55/2.8-4 ist absolut ausgewogen und angenehm. Man hat echt den Eindruck, eine alte analoge Spiegelreflex in der Hand zu halten. Unschlagbar ist hier natürlich das Gewicht des Bodys. Die D800 wiegt mit dem 24-70/2.8 knapp zwei Kilo, die X-T1 mit dem 18-55/2.8-4 gerade knapp 800g. Meine Wunschausstattung (X-T1 + 15-55/2.8 + 23/1.4 + 10-24/4) käme insgesamt gerade mal auf 1.500g und wäre damit leichter als eine Kombination im Vollformat…

Als positiv empfinde ich auch die Bedienung. Die X-T1 hat an der Oberseite Wahlräder für Belichtungszeit, ISO und Belichtungskorrektur. Die Blende verstellt man am Objektiv selbst. Mir persönlich fehlen hier am (Fuji-) Objektiv allerdings die Blendenmarkierungen. Der Blendenring dreht endlos durch und die Kontrolle der Blende findet nur über die Info im Sucher statt (Die Zeiss Touit-Objektive mit X-Mount – und auch die Fuji Festbrennweiten – gehen hier einen anderen Weg und stellen – wie früher – eine Blendenskala dar). Alle manuellen Wahlräder haben eine Position „A“ über die die Automatik gesteuert wird (alles auf „A“=>Programmautomatik, Blende und ISO auf „A“ => Zeitvorwahl, Zeit und ISO auf „A“ => Blendenvorwahl, usw.). Insgesamt ein schlüssiges Konzept, dass ich recht schnell gelernt habe.

Was das runde Bild hier etwas stört sind die Tasten selbst. Die Drehwähler sind sehr stramm eingestellt und zudem mit einem Entriegelungknopf versehen. Eine Einstellung „am Auge“ ist hier nur mit viel Übung machbar. Das Steuerkreuz auf der Rückseite hat nach meinem Geschmack viel zu wenig Tastenhub und fühlt sich eher nach billigen Folientasten an, als nach einem Steuerelement einer 1.200,- EUR Kamera. Der Auslöser hinterlässt ein gemischtes Bild. Der Druckpunkt ist gut, mir gelang es allerdings nie, im Serienbild-Modus (CH/CL) nur ein einzelnes Bild zu machen. Das nervt etwas, da man so eigentlich immer den Einzelbildmodus wählt und damit evtl. nicht schnell genug auf Serienbilder umstellen kann.

Nervig ist auch die Fokuspunkt-Auswahl. Gerade durch die wenig optimierten Steuerkreuz-Tasten ist die Bedienung selbst schon eingeschränkt. Dazu kommt noch, dass das Kreuz selbst wie bei Kompaktkameras durch Funktionen wie Weißabgleich, Makro-Modus usw. belegt ist und nur in einer Richtung die AF-Feld Auswahl funktioniert. Man kann die Kamera zwar so konfigurieren, dass in alle vier Richtungen die AF-Auswahl stattfindet, man benötigt aber trotzdem einen Druck mehr, um diese erst zu aktivieren und dann das Feld auszuwählen. Hier ist in der Softwarelogik noch Luft nach oben…

3. Autofokus/Belichtung

Einen Vorteil gegenüber der D800 hat der Autofokus in der Verteilung der Felder. Durch die Kombination zwischen Phasen- und Kontrast-Autofokus und das spiegellose Konzept kann man das Fokusfeld auf  7×7 Feldern auch bis ganz an den Rand bewegen. Die Einschränkung weitgehend auf die Bildmitte bei Spiegelreflex-Kameras entfällt.  Der Autofokus ist unglaublich schnell. Ich konnte hier keinerlei Nachteil (aber auch keinen Vorteil) gegenüber der D800 feststellen. Bauartbedingt kann es wohl auch zu keinen Back-/Frontfokus kommen, da ja das Livebild zum AF verwendet wird und keine reduziertes AF-Messung stattfindet.

Durch die (scheinbar) größeren AF-Felder fällt es mir allerdings schwerer, das Objektiv wirklich zu treffen. Ebenso scheint die Belichtungszeit oftmals recht knapp bemessen zu sein. Die Nikon lieferte bei Matrix-Messung fast durchgängig eine halbe Stufe, bei Spotmessung sogar bis zu einer Blende längere Zeiten. Dennoch sehe ich hier keinen Rückschritt zur D800…

4. Bildqualität

Hier bietet sich ein gemischtes Bild. Die X-T1 ist sicherlich eine famose Kamera und liegt von der Bildqualität spürbar über der D7000, am Sensor der D800 – der in der Mischung derzeit zu den besten überhaupt zählt – scheitert sie aber leider.

Dabei ist bei Bilder mit viel Licht noch alles gut. Die X-T1 löst schön auf, die Farben für meinen Geschmack sogar angenehmer und besser getroffen als von der D800. Das Konzept der X-Trans-Sensoren (mit den Sensorteilen, die teilweise nur für die Dynamik zuständig sind) geht durchweg auf. Man kann aus den Lichtern und aus den Schatten im RAW-Format noch viel retten/rausholen. Die Schärfe des 18-55/2.8-4 ist hervorragend und muss sich auch hinter dem 24-70/2.8 nicht groß verstecken.

Die Schwäche beginnt aber ab ISO1600. Hier fängt die X-T1 an zu straucheln. Der Dynamik-Umfang geht stark zurück, die Lichter und Tiefen verlieren an Information, die Farbdifferenzierung zeigt Schwächen und das Rauschen wird deutlich sichtbar. Hier punktet die D800. Der Dynamikumfang ist einfach höher, die Farben werden sauberer dargestellt und differenziert und das Rauschen ist – allein wegen der schieren Auflösung von 36 Megapixeln – deutlich feiner und homogener als bei der X-T1.

Fazit:

Ich habe die X-T1 tatsächlich schweren Herzens wieder zurückgegeben. Sie bietet eine hervorragenden Bildqualität und lässt die APS-C Konkurrenten wie die D7000 (und sicherlich auch die D7100) alt aussehen. Mir persönlich gefällt das Konzept und die Bedienung außerordentlich gut und mein Rücken hätte die Erleichterung der Fototasche dankbar angenommen.

Allerdings passt die Kamera derzeit noch nicht zu meiner Art zu fotografieren. Ich fotografiere ohne Blitz und viel Available Light. Dafür hat die X-T1 ein bisschen zu wenig Luft nach oben und unten. Im Vergleich mit der D800 fehlt einfach das bisschen mehr Dynamik und Rauschfreiheit/-feinheit dass den Unterschied zwischen einem noch guten Bild und einem leider nicht mehr verwendbarem Bild macht.

Hinzu kommt auch der Preis der X-T1. Meine Wunschausrüstung mit X-T1, dem (bisher nur angekündigten) 15-55/2.8, einem 10-24/4 Weitwinkel und einem 23/1.4 kostet zusammen aktuell mehr als 4.000,- EUR. Das ist in etwa der Preis, den ich für einem Verkauf meiner D800 mit 14-24/2.8, 24-70/2.8 und 35/1.4 erzielen würde. Ich würde also das hohe Gewicht und die bessere Bildqualität gegen ein niedrigeres Gewicht und eine etwas schlechtere Qualität „tauschen“.

Meine Wahl zwischen 95% Lösung mit 1.500g (X-T1) und 99% Lösung mit 5.000g (D800) fiel dieses mal noch zugunsten der D800 aus. Ob das bei evtl. fallenden Preisen der X-T1 oder gar einer X-T2 immer noch so ist, mag ich noch nicht sagen. Für mich ist ein Wechsel auf ein spiegelloses System auf jeden Fall nicht mehr ausgeschlossen. Nikon, bitte liefern Sie!