[Eine Woche mit …] Telekom Magenta hybrid

Ich lebe in der Provinz. Einigermaßen gerne und glücklich, aber dennoch halt Provinz und das zeigt sich vor allem am Internetanschluss. Und obwohl die Telekom sogar bei uns zwei LTE Masten mit 800 und 1800MHz aufgestellt und in Betrieb hat, tröstet das nicht darüber hinweg, dass meine DSL-Leitung trotzdem noch mit 12.000/2.400 MBit/s äußerst dünn ist, insbesondere, wenn man häufiger Bilder hochlädt oder sich über dezentrale Backups Gedanken macht…

Um es deutlich zu machen, mein iPhone hat eine zehn Mal dickere Netzanbindung als mein Telekom Hausanschluss.

Und dann kam hybrid. Die Telekom bietet hier eine Technik, die eine DSL und eine LTE Internetverbindung bündelt und die Bandbreiten aufsummiert. Hört sich gut an? Ist es im Grunde auch… Kurzes Resümee nach einer Woche Nutzung!

Buchung

Die Buchung war Telekom-mäßig wieder ein absolutes Disaster! Mein DSL-Anschluss war zum Mai 2015 gekündigt, die Rufnummer wollte ich zu sipgate umziehen. Um keine „Internetfreie“ Zeit zu erleben, habe ich den hybrid-Anschluss einfach als Neuanschluss in die Mitte April dazugebucht. Unter anderem auch, da ich naiverweise davon ausgegangen bin, dass ein kompletter Neuanschluss keine Probleme verursachen kann… NAIV!

Leider hat’s die Telekom komplett verbockt. Beim ersten Versuch wurde der Auftrag als Upgrade für den bestehenden Auftrag gebucht, was durch die laufende Rufnummernportierung natürlich nicht klappte. Beim zweiten Anlauf wurde ein Neuanschluss gebucht, am Zieltermin kam aber natürlich kein Techniker, da der Auftrag zwar kaufmännisch angelegt war, aber nicht ins technische System durchkam. Erst beim dritten Anlauf und mit tatkräftiger Unterstützung des „Telekom Hilft“ Teams (Danke dafür!) hat der Anschluss dann geklappt. Und zwar als Neuanschluss nach dem Abschalten des alten DSL Anschluss, was einen Tag ohne Internet bedeutete…

Rahmenbedingungen

Für den hybrid Anschluss wird eine DSL-Leitung als Basis gebucht. Diese gibt’s in den Ausprägungen S (ADSL, Annex J), M (VDSL50) oder L (VDSL100). Grundsätzlich wird erstmal die gleiche Geschwindigkeit dann per LTE draufgesattelt. Also 16MBit/s bei S, 50MBit/s bei M und 100MBit/s bei L. Seit Mitte März kann man zudem die LTE Geschwindigkeit mit sog. Speedoptionen erhöhen. Dabei gibt’s die SpeedOption M für 50/10 MBit/s bei Verfügbarkeit von LTE800 und eine SpeedOption L für 100/40 MBit/s bei Verfügbarkeit von LTE1800/2600. Ein Upgrade kostet pro Stufe 5,- EUR monatlich.

Aktuell (Mai 2015) steht für diese Technik ausschließlich den Telekom SpeedPort hybrid Router zur Verfügung. AVM ist zwar „sehr interessiert“ und „beobachtet“, hat allerdings noch kein Produkt in konkreter Planung oder in der Pipeline. Der SpeedPort hybrid kostet satte 400,- EUR oder 10,- EUR mtl. (mindestens 12Monate). Zu viel für ein Router von Huawei mit einer extrem dünnen „Zuckerschicht“ und wenig Ausstattung. Ich hab daher hinter den SpeedPort meine alte Fritz!Box 7490 geschaltet und die Ports einfach durchgeschalten. Das macht zwar Double-NAT, ist mir aber derzeit noch egal.

Geschwindigkeit

Die ist sehr beeindruckend. Zunächst verhält sich der Anschluss wie ein normaler DSL-Anschluss, aber sobald die Belastung steigt, wird das LTE Netz – nach ein bis zwei Gedenksekunden – dazugeschaltet. Ich habe innerhalb der letzten Woche zu unterschiedlichen Zeiten Speedtests durchgeführt und komme regelmäßig auf Raten um die 60MBt/s down und 10 MBit/s up. In der Summe also in etwa das, was rechnerisch anliegen dürfte. Ich bin begeistert!

Dies und Das

Ein paar Punkte sind mir bei Recherchen und auch durch Ausprobieren aufgefallen.

  • Wie geschrieben setzt die „LTE-Beschleunigung“ erst nach einigen Sekunden ein. SpeedTests, die zu wenig Daten übertragen/zu kurz messen, liefern daher nur die DSL-Werte, keine Werte für die gebündelte Leitung.
  • Die SpeedOption ist hart von der Verfügbarkeitskarte abhängig. Wenn dort nur LTE800 angezeigt wird, lässt sich auch nur die SpeedOption M mit 50/10 buchen. Mein Haus wird z.B. im Sendeschatten des LTE1800 angezeigt, ich kann also die SpeedOption L nicht buchen, obwohl ich im richtigen Leben durchaus LTE1800 Empfang habe.
  • Es findet keine Volumendrosselung statt. Zumindest kann ich nach ca. 180GB diese Woche keine feststellen. Das Kundencenter zeigt aktuell sogar noch das benutzte LTE Volumen an.
  • Es findet allerdings eine harte Geschwindigkeitsdrossel statt. Die SpeedOption M wird also hart auf 50/10 begrenzt. Mein Test mit einer „offenen“ Telekom-SIM in einer Fritz!Box LTE brachte z.B. 52/22 MBit/s auf der LTE800 Frequenz mit dem Speedport hybrid komme ich dagegen nur auf 50/10 MBit/s
  • VPN ist nicht möglich. Der SpeedPort hybrid sträubt sich gegen eingehende VPN Verbindungen. Mir ist es auf jeden Fall nicht gelungen, eine Verbindung mit der dahintergeklemmten Fritz!Box aufzubauen. Vermutlich weil die Portfreigabe nur TCP und UDP kann, keine weiteren Protokolle.

Fazit?

Grundsätzlich bin ich begeistert. Magenta hybrid ist für mich derzeit die einzige Möglichkeit, einigermaßen sinnvolle Internetgeschwindigkeiten zu erzielen. Wenn man mal die aktuelle Router-Knappheit außen vor lässt, kann der Anschluss aktuell ein sinnvolles Upgrade von langsamen Internetverbindungen sein.

Fußnoten!

  • Es ist zu Befürchten, dass die Telekom den hybrid-Anschluss als Ausrede für den weiteren Ausbau der Anschlüsse oder gar als Ausrede für die Umstellung auf Glasfaser vorschiebt.
  • Außerdem verschafft hybrid der Telekom natürlich einen Wettbewerbsvorteil, da die Telekom aktuell der einzige Anbieter ist, der wohl flächendeckend LTE und DSL anbietet.
  • Als letztes ist fraglich, wie sehr die LTE-Masten einen evtl. steigenden Ansturm an hybrid-Kunden verkraften, oder ob früher oder später der „KabelDeutschland“-Effekt auftritt und die zu erzielende Geschwindigkeit durch viele Teilnehmer immer weiter sinkt.

 

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